Key Takeaways
Nicht was du sagst – sondern wie du es formulierst. Das entscheidet über Erfolg oder Misserfolg deiner Botschaft. Dieselbe Information kann völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen, je nachdem, in welchen „Rahmen“ du sie setzt.
- Verlustaversion schlägt Gewinnversprechen: Menschen gewichten Verluste doppelt so stark wie Gewinne. „Vermeiden Sie 50 Cent Verlust“ motiviert stärker als „Sparen Sie 50 Cent täglich“.
- Positive Formulierungen verkaufen besser: „90% fettfrei“ wirkt attraktiver als „enthält 10% Fett“ – obwohl beide Aussagen identisch sind. Die Wortwahl aktiviert unterschiedliche emotionale Reaktionen.
- 95% aller Kaufentscheidungen sind emotional: Rationale Argumente allein reichen nicht. Erfolgreiche Marken wie Coca-Cola und McDonald’s setzen auf emotionale Frames statt auf Produkteigenschaften.
- Vier Framing-Arten für verschiedene Ziele: Risky-Choice-Framing lenkt Entscheidungen, Goal Framing nutzt Belohnung oder Verlustangst, Attributives Framing präsentiert Eigenschaften geschickt, Marken-Framing schafft emotionale Bindung.
- Ethik ist nicht verhandelbar: Framing darf beeinflussen, aber niemals täuschen. Teste deine Formulierungen mit A/B-Tests und frage dich: Würden Kunden bei voller Transparenz die Botschaft als fair empfinden?
Stell dir vor: Im Blindtest gaben 51% der Probanden an, ihnen schmecke Pepsi besser. Sobald die Marken sichtbar waren, stimmten nur noch 23% für Pepsi. Dieselbe Flüssigkeit. Völlig anderes Erlebnis.
Erkennst du, was hier passiert? Das ist Framing Marketing in seiner reinsten Form. Der sprachliche und visuelle „Rahmen“ einer Botschaft beeinflusst, wie wir Informationen wahrnehmen und welche Entscheidungen wir treffen. „80% fettfrei“ wirkt attraktiver als „enthält 20% Fett“ – obwohl beide Aussagen identisch sind.
Hier erfährst du, wie du Message Framing Marketing gezielt einsetzt, welche Framing-Arten es gibt und wie du Kundenentscheidungen positiv – und ethisch – beeinflussen kannst.
Was ist Framing Marketing?
„Framing is a process whereby communicators, consciously or unconsciously, act to construct a point of view that encourages the facts of a given situation to be interpreted by others in a particular manner.“ — Jim A. Kuypers, Political communication researcher
Definition des Framing-Effekts
Worte sind nie neutral. Jedes einzelne Wort setzt einen Rahmen – und genau das steckt hinter dem Begriff Framing. „Frame“ bedeutet auf Deutsch Rahmen, und Framing beschreibt die Einordnung eines Sachverhalts in einen bestimmten Deutungsrahmen durch eine bewusste Wortwahl. Was du sagst, formt das Bild, das sich beim Empfänger entstehen lässt – sein Denken, seine Gefühle, seine Entscheidungen. Unterbewusste Bilder und Emotionen werden ausgelöst, die wiederum Handlungen nach sich ziehen können.

Der Framing-Effekt ist ein psychologisches Phänomen: Die Art und Weise, wie du Informationen präsentierst, beeinflusst Wahrnehmung und Entscheidung maßgeblich. Gleicher Inhalt, unterschiedliche Formulierung – und das Verhalten des Empfängers verändert sich. Daniel Kahneman und Amos Tversky machten dieses Phänomen durch ihre Forschungsarbeiten bekannt. Ihr Befund war eindeutig: Selbst Menschen, die glauben, rational zu entscheiden, ändern ihre Entscheidungen massiv, sobald man die Formulierung der Optionen variiert.
Framing Marketing Examples: Das Joghurt-Beispiel
Erkennst du dich hier wieder? Du stehst vor zwei Joghurts im Supermarkt – einer ist als „90% fettfrei“ beschriftet, der andere als „enthält 10% Fett“. Faktisch identisch. Und doch greifst du intuitiv zur ersten Variante. Die Betonung von „fettfrei“ und die große Zahl 90% machen das Produkt emotional attraktiver. Wer gerade abnehmen möchte, entscheidet sich fast automatisch dafür.
Dieselbe Wahrheit. Zwei völlig unterschiedliche Wirkungen.
Das Glas halb voll oder halb leer?
Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Dieses populäre Beispiel gehört zu den bekanntesten Framing-Fällen. Der erste Rahmen fokussiert auf den Inhalt und den vorhandenen Füllstand, der zweite auf den leeren Anteil und den Mangel. Beide Formulierungen beschreiben denselben Zustand – mit grundlegend unterschiedlichem Ergebnis. Ein halbvolles Glas klingt optimistisch, wenig besorgniserregend. Ein halbleeres Glas lässt einen schon mal nachdenken, ob das wirklich genug ist.

Framing Effect in Marketing: Warum es funktioniert
Unser Gehirn nutzt kognitive Heuristiken, um schnelle Entscheidungen zu treffen. Wir sind eben keine reinen Vernunftwesen – Emotionen leiten uns. Sprache ist nie neutral. Jede Formulierung weckt Assoziationen, aktiviert emotionale Reaktionen und ruft mentale Bilder ab. Dazu kommt: Menschen empfinden Verluste deutlich stärker als Gewinne. Genau deshalb funktioniert Message Framing Marketing besonders im Vertrieb so wirkungsvoll – es lenkt die Gesprächsführung in die gewünschte Richtung, ohne dass der Gesprächspartner es bewusst bemerkt.
Wie Framing die Wahrnehmung beeinflusst
„The torment of a loss can be psychologically twice as powerful as an equivalent gain.“ — Daniel Kahneman and Amos Tversky, Pioneers of loss aversion
Die Rolle von Emotionen
Rationale Argumente allein kaufen nichts. 95% aller Kaufentscheidungen finden auf unbewusster Ebene statt – und genau dort setzt Framing Marketing an.
McDonald’s spricht mit „I’m Lovin‘ It“ keine Produkteigenschaften an. Es sind Glücksgefühle, Familienmomente, Wärme. Coca-Cola verwebt das Produkt mit Freude und Nostalgie – nicht mit Zuckergehalt oder Kalorien. Diese Marken haben verstanden, was viele im Marketing noch lernen müssen: Gute Werbung handelt nicht von Produkten, sondern von Menschen. Sobald eine echte Emotion ausgelöst wird, bleibt die Botschaft haften.
Positive vs. negative Formulierungen
Wie du eine Information verpackst, entscheidet darüber, wie sie ankommt. „90% Erfolgsquote“ klingt einladend. „10% Ausfallrisiko“ löst Vorsicht aus – obwohl beide Aussagen identisch sind.
Positives Framing betont Vorteile und motiviert zur Handlung. Negatives Framing hebt Risiken hervor und aktiviert Abwehrreflexe. Interessant dabei: Wie stark jemand auf einen bestimmten Frame reagiert, hängt auch davon ab, wie aktiv sein präfrontaler Kortex im jeweiligen Moment arbeitet. Dieselbe Botschaft – unterschiedlicher Mensch, unterschiedliche Wirkung.
Verlustaversion: Warum wir Verluste stärker gewichten
Hier liegt einer der mächtigsten psychologischen Mechanismen im Marketing. Menschen gewichten Verluste etwa doppelt so stark wie gleichwertige Gewinne. Kahneman und Tversky ermittelten dafür einen konkreten Wert: λ=2,25.
Was das bedeutet? Wer eine 50-50-Chance hat, 100 Euro zu verlieren, möchte als Ausgleich mindestens 200 Euro gewinnen können. Das ist keine Irrationalität – das ist menschliche Psychologie.
Für dein Marketing heißt das: „Vermeiden Sie den Verlust von 50 Cent täglich“ wirkt motivierender als „Sparen Sie 50 Cent täglich“. Beide Formulierungen sprechen denselben Betrag an. Aber negative Informationen wiegen grundsätzlich schwerer als gleichwertige positive.
Kognitive Verzerrungen und schnelle Entscheidungen
Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Kognitive Verzerrungen sind systematische Denkmuster, die gerade dann greifen, wenn Unsicherheit im Spiel ist. Framing nutzt genau diese Abkürzungen.
Besonders anfällig für starke Framing-Effekte sind Situationen mit Neuheit, Unsicherheit oder hoher persönlicher Bedeutung. Kein Wunder – das Gehirn sucht ständig nach Rahmen, um neue Informationen schnell einordnen zu können. Je weniger Informationen vorhanden sind, desto stärker wirkt der gewählte Frame.
Erkennst du darin ein Muster? Framing greift besonders dann, wenn Menschen am wenigsten darauf vorbereitet sind.
4 Framing-Arten im Marketing
Marketing-Profis haben nicht nur ein Werkzeug – sie haben eine ganze Werkzeugkiste. Jede Framing-Art setzt an einem anderen psychologischen Hebel an und entfaltet ihre Wirkung auf unterschiedliche Weise.
Risky-Choice-Framing: Entscheidungen gezielt lenken
Hier geht es um die Kunst, Optionen so zu gestalten, dass eine davon bewusst mit einem Verlust verknüpft wird. Tversky und Kahneman zeigten das eindrücklich mit dem Asian Disease Problem: Positiv gerahmte Optionen lassen Menschen die sichere Variante wählen. Negativ gerahmt? Plötzlich wählen dieselben Menschen die riskante Option.
Das „3 zum Preis von 2“-Angebot im Supermarkt funktioniert nach genau diesem Prinzip. Kunden kaufen nicht drei Produkte, weil sie drei brauchen. Sie kaufen, weil sie das dritte nicht verpassen wollen.
Goal Framing: Mit Belohnung oder Verlustangst arbeiten
Willst du deine Zielgruppe zur Handlung bewegen? Dann entscheidet der Frame, welche Emotion du aktivierst.
Gain Frames – also die Betonung positiver Konsequenzen – wirken besonders stark bei Freizeit- und Status-Artikeln. Loss Frames hingegen sind bei Gesundheits- und Versicherungsprodukten deutlich wirksamer. „Nur solange der Vorrat reicht“ ist kein Zufall – das ist Verlustangst, die Handlungsdruck erzeugt. Gewinnspiele drehen das Spiel um und setzen auf die Kraft attraktiver Belohnungen.
Attributives Framing: Produkteigenschaften geschickt darstellen
Manchmal reicht ein einziges ausgetauschtes Wort, um alles zu verändern. „90% fettfrei“ liegt im Regal, „enthält 10% Fett“ kämpft ums Überleben – dabei sagen beide exakt dasselbe.
Edeka macht das besonders deutlich: „Haferflocken“ und „Porridge“ stehen nebeneinander im Regal. Gleicher Inhalt, unterschiedliche Welt. Das „Porridge“ klingt premium, wirkt teurer – und kostet auch mehr. Synonyme und Antonyme wecken unterschiedliche Assoziationen. Das ist attributives Framing in Reinform.
Marken-Framing: Emotionale Bindung schaffen
Marlboro verkaufte keine Zigaretten. Marlboro verkaufte Freiheit, Cowboys und den American Way of Life – und verwandelte damit ein „weibisches“ Filterzigaretten-Image in ein globales Sinnbild für Männlichkeit. Solche Marken-Frames entstehen nicht über Nacht. Sie sind das Ergebnis konsequenter, jahrelanger Kommunikation.
Das ist der Unterschied zwischen einer Marke, die man kennt – und einer, die man fühlt.
Framing Marketing in der Praxis umsetzen
Systematisch. Gezielt. Wirkungsvoll.
Wirksames Framing entsteht nicht durch Zufall. Es braucht klare Planung, ein tiefes Verständnis deiner Zielgruppe – und den Mut, kontinuierlich zu optimieren.
Zielgruppe verstehen und analysieren
Wer wen ansprechen möchte, muss zuerst verstehen, wie diese Menschen denken und fühlen. Die Zielgruppenanalyse bildet die Grundlage für wirksames Framing Marketing. Soziodemografische Merkmale wie Alter, Einkommen und Bildung geben erste Anhaltspunkte – aber sie reichen selten allein aus.
Psychografische Segmentierung geht tiefer: Sie untersucht Einstellungen, Werte und Lebensstile, um zu verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden. Personas bündeln diese Erkenntnisse in fiktiven, aber datenbasierten Vertretern deiner Zielgruppe. Erst wenn du weißt, wer vor dir steht, kannst du den richtigen Rahmen setzen.
Message Framing Marketing: Die richtige Botschaft entwickeln
Welche Emotionen sollen aktiviert werden? Passt der Frame wirklich zur Zielgruppe?
Diese Fragen solltest du dir stellen, bevor du eine einzige Formulierung festlegst. Gain Frames funktionieren besser bei optimistischen Zielgruppen, Loss Frames bei verlustvermeidenden. Moralisches Framing erzeugt mehr Dringlichkeit und höhere Zustimmung – besonders dann, wenn es um gesellschaftlich relevante Themen geht.
Die Botschaft folgt dem Menschen. Nicht umgekehrt.
Wortwahl bewusst gestalten
Jedes Wort aktiviert einen Frame. Das klingt simpel – und ist doch entscheidend. Aus „Problemen“ werden „Herausforderungen“, aus „Kosten“ werden „Investitionen“. Negative Formulierungen sollten konsequent vermieden werden: Sie lösen Stress aus und mindern die kognitive Leistungsfähigkeit deiner Leser.
Schreibe dir deine wichtigsten Begriffe auf. Prüfe jeden einzelnen: Welches Bild entsteht beim Empfänger? Welche Emotion wird geweckt?
Framing testen und optimieren
Intuition ist wertvoll. Daten sind verlässlicher. A/B-Tests liefern objektive Erkenntnisse darüber, welche Formulierungen tatsächlich wirken. Achte darauf, dass die Testdauer lang genug ist, um statistische Signifikanz zu erreichen – vorschnelle Schlüsse führen zu falschen Entscheidungen.
Regelmäßiges Monitoring verhindert Fehler und sorgt dafür, dass deine Framing-Strategie mit deiner Zielgruppe mitwächst.
Ethische Grenzen beachten
Framing darf beeinflussen – aber niemals täuschen. Transparenz und Ehrlichkeit stehen dabei nicht im Widerspruch zu einer wirkungsvollen Kommunikation. Sie sind ihre Grundlage.
Der einfachste ethische Test: Würde dein Kunde die Formulierung bei voller Transparenz als fair empfinden? Wenn die Antwort ja ist, bist du auf dem richtigen Weg. Wenn du zögerst – überarbeite.
Schlussfolgerung
Framing Marketing mag auf den ersten Blick komplex erscheinen, doch die Prinzipien sind klar: Deine Wortwahl bestimmt, wie Kunden deine Botschaft wahrnehmen und darauf reagieren. Nutze die verschiedenen Framing-Arten gezielt, um Emotionen anzusprechen und Kaufentscheidungen positiv zu beeinflussen. Behalte dabei stets die ethischen Grenzen im Blick. Teste deine Formulierungen kontinuierlich und optimiere sie anhand echter Daten. Wenn du Framing richtig einsetzt, wirst du nicht nur mehr verkaufen, sondern auch langfristige Kundenbeziehungen aufbauen.
Alles liebe und bis zum nächsten Mal
Doreen von MYWAY
FAQs
Was genau versteht man unter Framing Marketing?
Framing Marketing beschreibt die gezielte Gestaltung von Botschaften durch eine bestimmte Wortwahl, die einen Sachverhalt in einen gewissen Deutungsrahmen einordnet. Die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden, beeinflusst die Wahrnehmung und Entscheidungen der Empfänger maßgeblich – selbst wenn der Inhalt identisch bleibt. Beispielsweise wirkt „90% fettfrei“ attraktiver als „enthält 10% Fett“, obwohl beide Aussagen dasselbe bedeuten.
Warum funktioniert der Framing-Effekt so gut im Marketing?
Der Framing-Effekt nutzt kognitive Heuristiken und emotionale Reaktionen, die unser Gehirn für schnelle Entscheidungen verwendet. Menschen treffen Kaufentscheidungen zu 95% auf unbewusster Ebene und lassen sich stark von Emotionen leiten. Jede Formulierung weckt bestimmte Assoziationen und mentale Bilder, die das Verhalten beeinflussen – besonders bei Unsicherheit und geringer Informationslage.
Was ist der Unterschied zwischen positivem und negativem Framing?
Positives Framing betont Vorteile und motiviert zu Handlungen, während negatives Framing Risiken hervorhebt und defensives Verhalten auslöst. Menschen gewichten Verluste etwa doppelt so stark wie gleichwertige Gewinne. Daher wirkt „Vermeiden Sie den Verlust von 50 Cent täglich“ motivierender als „Sparen Sie 50 Cent täglich“, obwohl beide Aussagen denselben Betrag beschreiben.
Welche verschiedenen Framing-Arten gibt es im Marketing?
Es gibt vier Hauptarten: Risky-Choice-Framing lenkt Entscheidungen zwischen Optionen mit unterschiedlichem Risiko. Goal Framing arbeitet mit Belohnung oder Verlustangst. Attributives Framing stellt Produkteigenschaften geschickt dar, indem nur ein Attribut ausgetauscht wird. Marken-Framing schafft langfristige emotionale Bindungen zwischen Marke und Zielgruppe durch konsequente Kommunikation.
Wie setzt man Framing Marketing ethisch korrekt ein?
Framing darf nicht manipulieren oder täuschen – Transparenz und Ehrlichkeit müssen im Vordergrund stehen. Ein guter ethischer Test ist die Frage: Würde der Kunde die Formulierung bei voller Transparenz als fair empfinden? Zudem sollten Framing-Strategien durch A/B-Tests kontinuierlich getestet und optimiert werden, um objektive Daten über ihre Wirkung zu erhalten.
